04
Feb
13

# Sissi Perlinger

SPerlinger_Interview_02Sissi Perlinger kehrt nach einiger Zeit zurück auf die Bühne – und das humorvoller als je zuvor.

Die Kabarettistin stellte im Dezember 2012 ihr Programm Gönn dir ne Auszeit dem Neusser Publikum im Rheinischen Landestheater vor und wurde gefeiert. RadioNE war vor Ort und sprach anschließend mit Sissi über das Leben und die Bühne.

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Bühnenprogramme sind häufig ein Spiegelbild des eigenen Lebens. Wie viel eigene Lebensrealität steckt in deinem Bühnenprogramm „Auszeit“?

Sissi: Ganz viel. Ich habe das alles selber mitgemacht. (schmunzelt) Teilweise sehr unfreiwillig. Und wenn man dann den nötigen Abstand dazu hat, kann man das auch wirklich sehr sehr lustig verpacken. Das ist das Schöne daran.

Und die Menschen verstehen dann genau, was da oben auf der Bühne los ist, weil sie es alle von sich selber kennen. Das ist der große Vorteil, wenn man das alles selbst erlebt hat.

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Theater, Musik und Schauspiel. Wenn du dich für einen Weg entscheiden müsstest, welcher wäre das und warum?

Sissi: Ähm, das ist genau der Punkt, dass ich mich nie entscheiden wollte und konnte..

11fragen1nterview: Ich zwing dich jetzt einfach dazu…

Sissi: Nein. Ich bin genau eben das, was ich bin. Nämlich eine, die alles macht auf der Bühne. Also ich mache teilweise ernstes Schauspiel, äh, ich singe ganz viele unterschiedliche Lieder, ich habe ’ne Tanzausbildung, ich habe Gitarre gelernt, Schlagzeug, Trommeln. Und ich wäre ja blöd, wenn ich mich da für eines entscheiden würde.

Deswegen habe ich auch die Dreherei mir völlig abgeschminkt, weil da muss ich mich immer völlig wegbewegen von dem was ich eigentlich bin und was mich ausmacht. Und wenn ich in meiner Show in alle Schubladen greifen kann und wirklich die ganze Zauberkiste richtig tief ausschöpfen darf, dann ist das doch auch das Schönste, was dem Publikum passieren kann, dass sie ernste Momente haben aber auch ganz doll viel lachen können und zwischendurch geht’s richtig ab und groovt und dann ist es ganz bunt und schön zum Ankucken und zwischendurch hat man noch richtig was zum Nachdenken.

Das ist doch eigentlich das, wie Kunst sein soll, finde ich.

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Wenn man Personen heute zuhört, verbinden sie mit Sissi Perlinger „bunt und verrückt“. Bist zu zuweilen langweilig und farblos und wann?

Sissi: Nee, ich glaub langweilig bin ich nicht. Aber ich bin gar nicht bunt und verrückt sondern immer in Leo gekleidet und sehr gesund, würde ich mal sagen. Wenn ich mir überlege, was ich für Menschen alles so kenne, würde ich sagen, ich bin der Gesündeste von all denen.

Ich habe aber auch so einen wunderbaren Beruf, in dem ich alles was mich je belastet und frühkindlich geprägt hat – was jetzt nicht so gut für mich gewesen wäre – durfte ich ja alles verarbeiten und in Pointen auflösen… und in große Lacher. Das trägt sehr zur allgemeinen seelischen Gesundheit und zur körperlichen bei.

SPerlinger_Interview_01

Was haben Elfenohren, was Menschenohren nicht haben?

Sissi: Sie sind spitzer. Die spitzen Ohren auf meinem Plakat beziehen sich auf den Satz „Spitze deine Ohren, höre in dich hinein. Wofür bist du geboren, was ist nur schnöder Schein.

Und ich habe mich am Anfang meiner Karriere leider ablenken lassen, habe tausend Sachen gleichzeitig gemacht und dadurch bin ich von meinem Kerngeschäft ein bissl abgekommen.

Und das zu lernen und mich wieder zu besinnen, das war ein ganz ganz wertvoller Schritt. Und jetzt bin ich wieder da, dass ich es nicht bereue, das getan zu haben, aber endlich wieder bei mir angekommen bin, seitdem ich wieder solo auf der Bühne stehe.

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Aus den Lebensmöglichkeiten vieler Menschen wurde in den letzten Jahrzehnten aus einer Dorfstraße eine 4spurige Autobahn, oder besser eine Burnout-Autobahn. Wie viel Zielerreichung ist dein persönlicher Weg, oder zählt für dich nur noch das Hier und Jetzt?

Sissi: Ähm, ich würde auch sagen, Ziele habe ich überhaupt nicht. Auch gerade, wo ich am neuen Programm gerade dran bin; ich habe schon ganz tief in mir so einen Instinkt wo ich hin will. Aber ich lasse mich da völlig treiben mit dem Flow und guck‘ halt auch wirklich „Was begegnet mir“.

Es ist so doof, das klingt manchmal so.. es ist manchmal ein Buch was irgendwo auf dem Flohmarkt zu oberst liegt und du greifst hin und sagst „boah, das ist doch genau das Buch was ich grade suche. Da steht ja so ein wichtiger Schlüssel drin.“ Und dann geht das in dem Stil weiter. Ich lasse einfach meiner Kreativität und Intuition ganz lange freien Lauf. Und ich denke nicht eine Sekunde drüber nach, was muss ich tun um den Menschen zu gefallen (mit verstellter Stimme), wie könnte ich das jetzt kommerziell kriegen?. Ganz im Gegenteil.

Ich glaube, je mehr man sich selber treu bleibt, umso dankbarer ist das Publikum, weil du so viel Einheitsbrei um die Ohren geknallt bekommen… und wenn ich die nach der Show erlebe, wie glücklich die sind und mir dann sagen „Ach heute nachmittag war ich traurig. Und jetzt habe ich ihre Show gesehen. Und jetzt bin ich so froh. Das ist wie Medizin. Sie sind nicht nur gut, sie tun auch gut.

Diesen Satz kriegt man, glaub ich, nur zu hören, wenn man bei sich selber bleibt und nicht irgendeinem Ziel hinterher rennt. Und natürlich, dass ich 12 Jahre in Indien lebe, das hat mich natürlich auch asiatisch geprägt. Das Hier und Jetzt ist schon etwas an dem von Moment zu Moment arbeite. Wenn ich merke, ich rutsche irgendwo rein, da hab ich es schon automatisch drauf, dass ich sage „einen Moment mal… schön wieder hierher… der Tisch ist schön kühl und ich krieg nen kalten Popo, weil mein Stuhl zu metallern ist. Und ihr lacht mich an, und ich krieg langsam Hunger.“. Und dann ist man wieder im Hier und Jetzt.

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Prinzessin oder Frosch?

Sissi: Ich jetzt? Ich, bin auf jeden Fall Prinzessin. Also deswegen ist mir ja auch die Prinzessin Lillifee auch so nahe. Also nicht so der Merchandising-Kram und das Rosene, aber die Art wie sie singt und die Musik. Das ist schon etwas, was ich sehr sehr mache, diese Rolle spielen.

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Gibt es ein Leben nach Sissi Perlinger? Und wie sieht das aus?

Sissi: Nee, das gibt’s nicht. Ich bin immer Sissi Perlinger von morgens bis abends bei Beleuchtung. Und ich plane auch, bis ich mindestens 108 bin, weil da hat Jopi Maßstäbe gesetzt, genauso weiter zu machen und einfach nur immer reifer und weiser zu werden, ich glaube, das wirkt sich gut auf die Comedy aus.

Und ich glaube, als Komödiant älter zu werden, ist großartig. Weil du darfst einfach so frech sein, wenn du älter bist. Du darfst irgendwann alles sagen. Und da fühlen sich auch die Männer nicht mehr auf den Schlips getreten und ich bin ganz froh, wenn ich mal irgendwann die Schallmauer so richtig durchbrochen habe und als Greisin dann ganz viele wichtige Dinge auf der Bühne erleben darf.

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Liebe ist …?

Sissi: Liebe ist eine Geisteshaltung. Ich glaube, verknallt sein, ist so eine Mischung aus Chemie und Projektion. Und wenn man dann wirklich an einen Punkt kommt, wo man sagt, jetzt ziehe ich das voll durch und bleibe dabei, dann ist das eine Entscheidung, die einem dann auch hilft, schwierige Zeiten zu durchstehen.

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# Sissi PerlingerWie schwierig ist es als Künstler die eigenen Anforderungen und die eigenen Ressourcen in Einklang zu bringen?

Sissi: Das war für mich früher ganz schwer, weil ich eben mit der Grundeinstellung „Ich genüge nicht“ als kleines Kind angefangen habe, als mein Papa mich verlassen hatte. Und jetzt inzwischen habe ich mich eigentlich ganz gut eingependelt, so dass ich genau spüre, wann meine Ressourcen auslaufen.

Und dann lege ich mich sofort hin, lasse alles liegen und stehen, lasse den Griffel aus der Hand fallen und mache ein autogenes Training oder ich mache ein Nickerchen, oder ich trinke ein großes Glas Wasser und atme ein bisschen inzwischen habe ich natürlich auch sehr viele Methoden gelernt, wie ich mich wieder aufladen kann. Also Licht, Liebe und Energie durch den Scheitel und jeder Pore und Zelle erlauben, dass sie gesund ist.

Das sind lauter Dinge, die einem natürlich sehr helfen, dass man nicht mehr ausblutet und natürlich die eigene Sensibilität gegenüber den eigenen Körper, die man entwickelt hat, wenn man mal wirklich richtig am Ende war.

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Du hast einen sehr starken Bezug zu Indien. Was ist der Hauptgrund für diesen starken Bezug?

Sissi: Das kann man mit Worten nicht beschreiben. Ich bin da hin gekommen und es war wie Liebe auf den ersten Blick. Alles an diesem Land hat mir gefallen, der Geruch, die Menschen, die Tiere, die Pflanzen, das Klima… die Art wie die Menschen da religiös sind.

Foto: Jens van ZoestDas ist alles einfach bezaubernd. Und ich bin da rein gefallen, als sei es meine Heimat, als würde ich es schon ewig kennen, so blöd es sich anhört. Und wenn ich dort ankomme, könnte ich den Boden küssen und weinen vor Glück und dann lebe ich da meine vier Monate im Winter und kann dort alles machen, was mir wichtig ist. Ich habe mein Schlagzeug und meine Gitarren da stehen. Ich habe meine Kostüme dort.

Ich tippe, ich lese trainiere, ich mache Yoga, ich jogge am Beach, ich habe Spaß, ich habe da alle meine Freunde. Wir machen da jeden Abend Musik, an jeder Ecke ist irgendeine Kneipe mit einer Bühne. Und ich lebe im Grünen, im Stillen. Das ist einfach kein Urlaub, sondern das ist mein Hauptwohnsitz geworden. Und wir sind da auch keine Touristen, sondern wir sind da ein kleines Dorf, das sich jeden Winter trifft. Und da entsteht ganz viel. Da habe ich alles was ich wirklich kann, habe ich dort wirklich geübt und zur Meisterschaft gebracht; gerade das Trommlen.

Auch 6 Jahre Gesangsausbildung haben nicht so viel gebracht, wie die Sessions in Indien, wo man mit irgendwelchen Musikern auf der Bühne steht, den schlechtesten Sound der Welt hat, alles pfeift und ruacht und knirscht nur noch um einen herum. Und wenn du den Mund aus Versehen ans Mikro bringst, dann bist du tot, weil du einen Stromschlag kriegst, aber da lernst du singen, da setzt du dich durch und „miaaaaau“ plötzlich bist du Heavy Metal-Sängerin, weil die alle so laut machen. Das sind lauter so kleine Dinge, an denen ich sehr gewachsen bin.

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Welche Frage wäre unglaublich clever von mir gewesen, wenn ich sie denn gestellt hätte, und die nun so niemals eine Antwort erhält?

Sissi: Ob ich vielleicht noch etwas ganz wichtiges zu sagen hätte, was bisher noch nicht vorkam.

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11fragen1nterview bedankt sich bei der charmanten Sissi für das Interview!


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