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Dez
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# Andrea Eberl

Als ich bei einem Konzert Andrea Eberls Stimme und Ihrem Liedgut lauschte, war mir klar, dass sie eine perfekte Kandidatin für ein 11fragen1nterview wäre.

Andrea Eberl lebt liebt und folgt ihrer Musik. Ihre Nähe zu kluger Poesie machen Ihre Auftritte besonders. Kein Mix aus stereotypem Fastfood, sondern Klangkünste mit literarisch doppeltem Boden.

Was ist die wundervollste Eigenschaft, wenn man blind ist?

Sich vielleicht anders in andere Menschen hineinversetzen zu können als Sehende.

Hast du eine Erklärung wieso viele Menschen mit Behinderung immer noch umgehen, als ob einem eine Prinzessin auf der Erbse begegnet?

Das liegt daran, dass die Menschen nicht den Menschen mit Handicap vor sich sehen, sondern in erster Linie denken: „Oh Gott, wenn ich diese oder jene Behinderung hätte, dann könnte ich dieses oder jenes nicht mehr tun.“, anstatt den Menschen, der vor ihnen steht, so zu nehmen, wie er ist.

Man wird durch dieses Verhalten der sogenannten Nichtbehinderten viel zu oft auf sein Handicap reduziert. Die erste Frage, die mir gestellt wird, wenn ich jemanden um Hilfe bitte ist nicht selten: „Sind Sie von Geburt an blind?“.

Ich würde einen fremden Menschen das erst dann fragen, wenn ich mit ihm ein Gespräch geführt und somit signalisiert habe, dass mir an der Person etwas interessant erscheint, nicht am Handicap.

Wenn du eine Blume mit Blumenduft wärst, wie würdest du riechen und warum sollte man dich nicht pflücken?

Ich wäre ein Märzenbecher. Die haben eine so schöne Form. Man sollte mich auf keinen Fall pflücken, denn gepflückte Blumen sind tote Blumen.

Häufig empfinde ich viele Sehende als die wahren Blinden. Wie blind bist du zuweilen im Umgang mit deinen Lieben?

Hm ich glaube, dass ich manchmal fordernd auf sie wirke, weil ich ungeduldig sein kann und z.B. am Computer etwas schnell fertig machen möchte, und plötzlich taucht da ein Problem auf, zu dessen Lösung ich einen Sehenden brauche.

Da vermittle ich schon, dass ich das jetzt und sofort haben möchte J. Und da fällt es anderen manchmal schwer zu sagen: „Nein, ich kann jetzt nicht.“

Wenn ich dir jetzt einen roten Knopf zu Verfügung stellte und du dürftest ohne Konsequenzen diesen drücken, wüßtest aber nicht was passiert. Was wäre deine Lieblingsvorstellung von dem Ergebnis und würdest du Ihn trotzdem betätigen?

Meine Lieblingsvorstellung wäre, dass sich auf Knopfdruck ein Sponsor für mein erstes Album fände, in das ich inzwischen etwa 18.000,– Euro investiert habe und in das ich noch ein paar tausend Euro rein stecken muss, um es fertig zu kriegen. Dann hätte ich keine Creditschulden mehr und eine Sorge weniger. Klar würde ich auf den Knopf drücken.

Wäre dein Leben eine Achterbahn, wie wäre der Streckenverlauf (Kurven,Korkenzieherloopings,Tunnel..) und wie lange dauerte eine Fahrt?

Mein Leben IST eine Achterbahn.

Wieviel Nähe braucht es, um das Mann/Frau in einem Lied von dir verewigt wird?

Liedtexte schreiben heißt für mich Menschen zu beobachten. Meist sind es Menschen, die mich faszinieren oder einfach beschäftigen, die mich dazu treiben, einen Songtext zu schreiben.

Dazu braucht es keine vordergründige Nähe, keine Liebesgeschichten, sondern diese Faszination bringt mir die innere Nähe zum jeweiligen Menschen, um über ihn schreiben zu „müssen“. So ein Text ist dann ziemlich schnell fertig.

So viele faszinierende Menschen begegnen mir aber nicht, dass ich täglich einen Songtext schreiben könnte. Ich hab einen einzigen Songtext geschrieben, in dem ich mich über die Idioten da draußen aufrege „Ich sing mich träumend lächelnd durch die Straßen dieser Stadt, will spür’n, dass das Erlebte etwas gutes an sich hat.

Ich sing um meine Stimmung, ich sing, um nicht zu schrei’n und träum von all den Menschen, um die ich manchmal wein‘.“ Und diesen Idioten, denen das Lied gewidmet ist, sind mir auf keinen Fall nah. Also kommt’s immer auf die Situation an, wie viel Nähe es braucht, um von mir beschrieben zu werden.

Liebe ist…?

Sehr vielschichtig. Ich habe sehr viele Freundinnen und Freunde, denen ich Liebe entgegenbringe und die mir Liebe entgegen bringen.

Man strahlt etwas zueinander, man strahlt aus, dass man jemanden liebt. Das muss aber noch nicht mit Sex verbunden sein, obwohl viele Menschen der Ansicht sind, dass Liebe zwingend mit Sex in Zusammenhang steht. Mein Hund und ich, wir lieben einander auch. Meine Hündin Smokey führt mich, ist immer bei mir und wirft mir das nie vor.

Diese bedingungslose Liebe ist für mich auch Liebe. Sollte ich zukünftig in die Situation kommen, einen Partner oder eine Partnerin zu finden, dann wäre ein wichtiges Kriterium für mich, dass dieser Mensch behutsam mit mir umgeht. Ich würde diese Liebe sehr langsam sexuell sprießen lassen, aber ob man jemanden lieb gewinnt, weiß man relativ schnell, relativ bald.

In meiner Vorstellung von Leben, ist ein Rucksack auf meinem Rücken, mit all meinem physischen und psychischem Balast. Wieviel Last oder Balast trägst du mir dir rum und was sollte schleunigst aus dem Rucksack heraus?

Einiges habe ich durch jahrelange Psychotherapie schon aus meinem Rucksack rausgeschmissen. Ich versuche darauf zu achten, dass ich nicht zu viel Ballast mit mir herum trage, indem ich schnell sage, wenn mich etwas quält, um es nicht lange mit mir ‚rumschleppen zu müssen. Das wünsche ich mir auch von anderen.

Derzeit wünsche ich mir meine Mitbewohnerin aus dem Rucksack raus, die in zwei Wochen hoffentlich auszieht, und meine Creditschulden fürs Album.

Welche Pfeiler (Menschen,Tiere,Gegenstände,Spiritualität) deines Lebens geben dir Halt,Geborgenheit und Liebe und wie dicht stehen diese beieinander?

Mein Hund, meine Freunde und mein Vater geben mir den Halt, den ich brauche. Nur sind viele meiner Freunde und mein Vater viele Kilometer weit weg von mir, und ich vermisse sie sehr. Ich würde gern viel mehr Zeit mit meinen Freunden aus Österreich und Griechenland, meinen Verwandten aus Canada und mit meinem Vater verbringen.

Ich bin kein unbedingt religiöser Mensch. Aber ich bin davon überzeugt, dass das, was man tut, auf einen zurück kommt. Nach dem Motto: Wie man in den Wald hinein ruft, schallt es zurück. Das heißt nicht, dass man immer freundlich sein muss.

Ich kann sehr mürrisch sein, wenn ich mir meine Wege durch die Stadt suche, weil ich mich dann hilflos und machtlos fühle.

Aber auch dan kriege ich meine eigene Scheiß-Stimmung von den anderen in irgendeiner Form reflektiert. Dann hab ich halt doof in den Wald hinein gerufen.

Aber wenn ich nicht überfordert bin, dann versuche ich mich fair zu verhalten und die Menschen so zu behandeln, wie ich gerne vonihnen behandelt werden möchte.

Welche pfiffige Frage vergaß ich, die jetzt aber keine Beantwortung mehr erhält?

Ich glaube, keine.


11fragen1nterview bedankt sich von Herzen für die Tiefgründigkeit der Worte und wünscht Andrea Eberl alles erdenklich Gute für die Produktion Ihres ersten ‚Vinyls‘ und Ihre gesangliche  Zukunft!



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